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Welche Auswirkungen hat der Diesel-Skandal auf Mönchengladbach? SPD-Fraktion diskutiert mit lokalen Akteuren

28.9.2017 :: Seit Bekanntwerden der Manipulation von Abgaswerten bei VW im September 2015 ist die Diskussion über die Belastung der Luftqualität nicht mehr zum Erliegen gekommen. Die SPD-Fraktion lud jetzt den Kreishandwerksmeister Frank Mund, den IHK-Geschäftsführer Andree Haack und den Geschäftsführer der NEW mobil und aktiv Mönchengladbach GmbH Wolfgang Opdenbusch zu einem Fachgespräch über die Situation in Mönchengladbach ein.

„In Mönchengladbach gibt es insgesamt drei Messstellen. Lediglich an der Aachener Straße 426/428 kam es in den vergangenen Jahren zu Überschreitungen der zulässigen Höchstgrenze. Mit LKW-Fahrverboten versucht die Stadt, die Belastung der Luftqualität in den Griff zu bekommen. Die Maßnahmen, die im Luftreinhalteplan festgeschrieben sind, werden von der Bezirksregierung Düsseldorf nach europäischem Recht vorgegeben. Die Deutsche Umwelthilfe hat jüngst die Überprüfung der geltenden Luftreinhaltepläne angestoßen und ganz offen auch mit Klagen gedroht, sollten die Grenzwerte in den Städten nicht eingehalten werden. Zu den betroffenen Kommunen zählt auch Mönchengladbach. Die Bezirksregierung Düsseldorf wird nun die einzelnen Messwerte und Maßnahmen erneut beleuchten und bei Bedarf die Luftreinhaltepläne mit neuen Anordnungen fortschreiben“, so Felix Heinrichs, SPD-Fraktionsvorsitzender in Mönchengladbach.

Heinrichs weiter: „Für uns ist klar, dass wir ein komplettes Diesel-Fahrverbot verhindern wollen. Ein Diesel-Fahrverbot würde die Falschen treffen. Die Käufer von Diesel-Autos können nicht für die Fehler von Autokonzernen verantwortlich gemacht werden! Die Situation ist in Mönchengladbach zum Glück nicht so dramatisch, wie in anderen Städten. Dennoch müssen wir unsere Anstrengungen verstärken und auf langfristige Effekte wie den Ausbau von umweltfreundlichen Verkehrsarten setzen. Wenn mehr Menschen mit dem Fahrrad oder dem Bus fahren, wird das die Stickstoffdioxidbelastung weiter zurückfahren. Auch ein Anwachsen von Elektroautos wird die Situation in Mönchengladbach entlasten.“

„Die beiden Dieselgipfel haben zumindest bewirkt, dass den Kommunen jetzt zügig mehr Geld für den Ausbau von umweltfreundlichen Verkehrsarten zur Verfügung gestellt werden soll. Zwar macht der Busverkehr in vergleichbaren Großstädten weniger als ein Prozent der Stickoxide (NOx) und Feinstaubbelastung aus, aber wir arbeiten trotzdem engagiert an einer Umstellung der Antriebstechnik. Voraussichtlich Ende 2018 soll die erste E-Buslinie mit insgesamt vier Fahrzeugen fahren, wenn der Aufsichtsrat dies so im November entscheidet. Wenn wir als NEW beispielsweise Busse auf Elektromotor umstellen wollen, benötigen wir pro Bus ca. 350.000 Euro mehr in der Anschaffung. Dazu kommen die Kosten für den einmaligen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ohne zusätzliche Fördermittel wird uns die Elektromobilität im Nahverkehr an die Grenze unserer finanziellen Möglichkeiten bringen und das Projekt auf Jahre verzögern“, erklärt der Geschäftsführer der NEW mobil und aktiv Mönchengladbach GmbH Wolfgang Opdenbusch.

Andree Haack, Geschäftsführer bei der IHK Mittlerer Niederrhein, ergänzt: „Die Wirtschaft in der Stadt verfolgt die aktuelle Diskussion mit höchster Aufmerksamkeit. Viele kleine und mittelständische Betriebe können ihre Fahrzeuge nicht von heute auf morgen umstellen. Die geltenden LKW-Fahrverbote machen es heute schon schwer, bestimmte Produktionsstandorte noch zu erreichen. Daher kommt es in der Stadt zu erheblichem Mehrverkehr, weil die LKWs große Umwege fahren müssen. Dies läuft dem eigentlichen Ziel entgegen, Verkehre in der Stadt zu minimieren. Die Luftqualität hat einen hohen Stellenwert, trägt sie doch maßgeblich zur Gesundheit der Menschen in einer Stadt bei. Daher müssen sich unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, die NO2-Belastung in der Stadt durch Maßnahmen zur „Verkehrsverflüssigung“ zu senken. Denn die Luftqualität ist nur da schlecht, wo der Verkehr steht. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Werte in den nächsten Jahren verändern. Immer mehr Autos mit den Abgasnormen Euro 3 oder Euro 4 werden von den Straßen verschwinden und die neuen Euro-6-Motoren sind wesentlich schadstoffärmer.“

Frank Mund, Kreishandwerksmeister, NRW-Chef des Kfz-Gewerbes und selbst Kfz-Mechaniker, betont: „Wenn wir schauen, wie viele Fahrzeuge betroffen sind, dann wird die Dramatik des ganzen Themas erst wirklich klar. Der Anteil der Diesel-Fahrzeuge in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich angewachsen. Von insgesamt 45,07 Mio. Kraftfahrzeugen haben 15,07 Mio. einen Diesel-Motor. Davon erfüllen 12,39 Mio. nicht die Anforderungen nach der Abgasnorm Euro 6 und wären damit von einem Fahrverbot direkt betroffen. Der Verlust an individueller Mobilität wäre außerdem ein zusätzlicher Beitrag zur Verödung der Innenstädte. Für Mönchengladbach macht das rund 30.000 PKWs aus, die nicht mehr in die Stadt und die beispielsweise nicht mehr nach Düsseldorf fahren dürften. Darunter sind viele Firmenfahrzeuge von Handwerks- und Gewerbebetrieben. Die mittel- und langfristige Lösung für das Problem kann nur die Mobilität der Zukunft bringen. Die Entwicklung muss klar in Richtung von synaptischen Verkehrssystemen gehen. Verkehrsarten wie Fahrrad, Bus, Bahn, herkömmlichen (sauberen) Antrieben und E-Auto müssen viel stärker vernetzt werden. Dafür brauchen wir an zentralen Punkten eine funktionierende Ladeinfrastruktur. Kurzfristig reichen bei der Diesel-Nachrüstung die Software-Updates durch die Hersteller nicht aus; wir fordern die Hardware-Nachrüstung der Fahrzeuge zur deutlichen NOx-Reduzierung. Nicht zuletzt braucht es gut ausgebildete Mechatroniker, die in der Lage sind, mit Elektroautos zu arbeiten. Hier bilden wir schon gezielt aus und bieten auch Weiterbildungen an.“



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